Die Triebtheorie

Glücklicherweise sind wir Menschen immer bereit zu lernen, und auch althergebrachtes zu hinterfragen und gegebenenfalls zu revidieren. So geschehen mit der Triebtheorie.

Die Definition

Eine genaue Definition was ein Trieb sein soll, gibt es in der Verhaltensforschung und der Psychologie jedoch nicht, so hatte jeder Triebtheoretiker mehr oder weniger seine eigene Definition was ein Trieb ist. Einige bekannte Triebtheoretiker waren: z. Bsp. Herman Samuel Raimarus, Charles Darwin und Konrad Lorenz.

 

Als Triebe (Antrieb) wurden die meist unbekannten Motivatoren für bestimmtes Verhalten bezeichnet. Das heißt, führt der Hund eine Handlung aus, motiviert ihn etwas dazu. Beispiel: Verhalten = Jagen, Motivator = Trieb.

Triebe sind angeboren, nicht oder schwer kontrollierbar und dienen der Lebenserhaltung. Ausschließlich dem Menschen wurde zugetraut, den Trieb mithilfe von Verstand und Vernunft kontrollieren und unterdrücken zu können.

Kritik an der Theorie

Klar ist, es werden Verhaltensweisen mit der Bezeichnung "Trieb" belegt, ohne dass dies das Verhalten erklärt. Beispiel: Verhalten =Jagen, Motivator=Trieb. Nur was ist ein Trieb? Hier spricht man wissenschaftsthoretisch von einer Problemdoppelung: Es ist nicht mehr nur das Verhalten (Jagen) zu erklären, sondern auch die als Trieb bezeichnete hypothetische Ursache.

 

Auch die "Naturhaftigkeit" (von der Natur gegeben, nicht erlernt, nicht veränderbar, Instinkt) der Verhaltensweisen wurden wissenschaftlich teilweise wiederlegt. Craig Kinsley hat z. Bsp. in der zweiten Hälfte der 2000er Jahre anhand von Versuchen mit Ratten nachgewiesen, dass mütterliches Verhalten nicht angeboren, sondern hormonell bedingt ist und erlernt wird.

1960 führten die deutschen Biologen E. von Holst und St. Paul ein Experiment durch, das den entscheidenden Hinweis dafür lieferte, dass Aggression kein Trieb sein kann. Es wurden Tieren Elektroden in das Hirn gepflanzt und so Verhalten ausgelöst. Ergebnisse die er durch das Experiment erziehlte:

 

  1. Die Reizungen lösten charakteristische Verhaltensweisen bei den Hühnern aus.
  2. Trotz der Stromstöße zeigten die Hühner kein abnormales Verhalten – was auch Tierkenner bestätigten.
  3. Von verschiedenen Reizpunkten wurden unterschiedliche Instinkthandlungen ausgelöst, doch von einem Reizpunkt immer nur die gleiche Instinkthandlung .
  4. Je nach Stimmung des Tieres führt die gleiche Reizstärke zu unterschiedlich intensivem Verhalten.

Was ist es, wenn es kein Trieb ist?

Letztenendes können sie das Wort Trieb, immmer mit dem Wort Verhalten ersetzen. Er zeigt Jagd-, Beute-, Aggressions- und Spielverhalten. Das Wort Trieb, hat eine Bedeutung, Definition, die einfach wissenschaftlich nicht korrekt ist und ist aufgrund dessen falsch.

Was ist Triebstau

Die Theorie des Triebstaus beruht auf der so genannten Leerlauftheorie innerhalb der Instinktheorie von Konrad Lorenz. Dieser ging davon aus, dass im Tier ständig eine Triebenergie im Tier aktiv wäre. Diese Energie sollte jederzeit abrufbar sein, wenn der dazugehörige Trieb ausgelebt werden müsse. Kommt es dann jedoch nicht zu einer Endhandlung, staut sich immer mehr Energie auf bis sie sich in irgendeiner Form entladen müssten, z. Bsp. durch Nervosität, Unruhe, sinnlose Handlungen etc. Außerdem würde das Tier immer schneller und öfter auf Reize reagieren. Diese Theorie wurde nie wissenschaftlich bewiesen.

Was spricht gegen diese Theorie?

Ganz klar, die Energieeffizienz!

Da nicht immer Futter zur Verfügung steht, muss jedes Lebewesen die ihm zu Verfügung stehende Energie sehr effizient und vor allen Dingen sparsam nutzen. Wenn jetzt also ständig eine Triebenergie fließen würde, von der der Körper nicht weiß, wann er sie gezielt einsetzen kann, wäre das unökonomisch. Man könnte das damit vergleichen, dass der Motor eines Autos immer im Stand laufen müsse, damit ich irgendwann losfahren kann. In dem Falle wären die Erdölreserven der Erde wohl in einige Wochen verbraucht…

So funktionieren auch Lebewesen. Für bestimmte Tätigkeiten, wird verschieden viel Energie benötigt. Natürlich läuft unser Motor immer, um unsere Vitalfunktionen (Kreislauf, Atmung usw) aufrecht zu erhalten, jedoch wird nicht mehr energie verschwendet, als benötigt wird.

Werden jedoch weitaus energieintensivere Aufgaben (Kampf, Flucht, Jagd, Paarung) benötigt, sorgt das Zentrale Nervensystem (ZNS) dafür, das genügend Energie zur Verfügung steht.
Wird ein Hund durch einen Reiz (z. Bsp. durch ein Reh) stimuliert, werden Energien zur Verfügung gestellt um jagen gehen zu können (stärkere Durchblutung, höherer Herzschlag, schnellere Atmung usw). Wir die Jagd abgebrochen, weil der Reiz (das Reh) z. Bsp. verschwindet, muss die zur Verfügung gestellte Energie natürlich trotzdem verbraucht werden. Hier spricht man dann nicht mehr von Leerlauf- sondern von Übersprungshandlungen (Gähnen, Kratzen....).